Wenn du einmal groß bist

Fritta und Tommy und die Kiste Fritta mit Tommy im Flugzeug Fritta und Tommy Tommy und Fritta

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Fritta im Verhör Fritta im Verhör Fritta im Verhör Fritta und Fritta
Tommy

David Haas, Sohn von Tommy Fritta-Haas schrieb ins Gästebuch:“Im Namen der Familie Tomas Fritta-Haas: Ihr habt unseren geliebten Vater wieder lebendig gemacht und Großvater Bedudu seine Würde wieder gegeben.
Danke dafür, David Haas”

Ein Buch.
Ein Buch von Bedrich Fritta für seinen Sohn, entstanden 1944 im Konzentrationslager, versteckt und nach Kriegsende ausgegraben von einem überlebenden Freund.
Ein Buch als einziges Zeugnis von Eltern für ihr Kind, ein Kind, das der Hölle entkommen konnte, traumatisiert, gequält von dem Geräusch von Schlüsselbunden und der Angst vor Hunden, ein Kind, das als Erwachsener nirgendwo wirklich heimisch werden konnte und sagte, sich eigentlich überall ein wenig schlecht zu fühlen.
Ein Buch als Vermächtnis einer großen, auch unter schrecklichsten Umständen gelebten Liebe eines Vaters zu seinem Sohn, geschrieben und gemalt vielleicht in dem Bewusstsein des nahen eigenen Todes, vielleicht aber auch das Zeugnis eines ungebrochenen Optimismus, voller Vertrauen darauf, dass die Menschlichkeit siegen und die Welt wieder frei und voll unendlicher Möglichkeiten sein wird.
Ein Buch, das uns die Frage stellt, wofür wir stehen in Zeiten von heraufziehenden Gefahren für Frieden und Demokratie, was wir unseren Kindern wünschen, denen die schon geboren sind und denen, die noch geboren werden.
Und ganz bestimmt ein Buch, dessen Bilder nie verblassen und dessen Worte nie verstummen werden.

Ein Stück für Jugendliche ab 14 Jahren und Erwachsene. 60 Minuten

Schirmherr Oberbürgermeister Dieter Reiter

Das Stück hatte im Rahmen der Langen Nacht der Museen am 14.10.2017, 20 Uhr Premiere im NS-Dokumentationszentrum und wurde am 17./18.10 als freie Aufführung und für Schulklassen um 10 Uhr aufgeführt.

Schauspiel und Figurenspiel: Alexander Baginski
Textfassung: Alexander Baginski unter Mitarbeit von Ioan C. Toma
Regie: Ioan C. Toma
Musik: Maria Dafka, Akkordeon

zu Ioan C. Toma
Tomas Arbeiten stehen für ein vitales, sinnliches, virtuoses Theatererleben, für phantasievolle, intelligente Bilder, für eine kreative Philosophie, die den Widrigkeiten des Lebens mit einem oft skurrilen, überzeichnenden, ironischen und geistvollen Humor begegnet. Freude an der Improvisation und am Experiment motivieren den Regisseur, dem das Engagement für die freie Theaterszene, das Figurentheater eingeschlossen, als wichtiger Schwerpunkt neben der Arbeit an etablierten Häusern gilt.
Quelle: Theaterlexikon der Schweiz.

Bühnenbild/Figurenbau: Alexander Baginski
Ausstattung: Die Garnroller
Layout/Grafik: Anne Kathrin Marx – Kommunikationsdesign & Typografie
Foto: Dominik Alves
Bildtechnik: Jörg Wagner – mt-Media tv

Zeichnungen von B. Fritta

Die Zeichnungen stammen aus dem Buch “Für Tommy zu seinem drittem Geburtstag in Thersienstadt”, in dem anderen zeigt B. Fritta das Lagerleben unter dem Titel “Gefangenentransport ins Ghetto”

Tommy Menschen Tommy Paket Tommy Sonne Frittas Zeichung

Persönliche Gästebucheinträge zu dem Stück finden Sie unter der Rubrik “Gästebuch”

Unser Dank gilt besonders David Haas, dem Sohn von Tommy Fritta-Haas für die Überlassung der Aufführungsrechte und seine Unterstützung bei der Verwirklichung dieses Projektes.

Wir bedanken uns auch für die Förderung und Unterstützung beim Kulturreferat München, dem Bezirkoberbayern und der Kulturstiftung der Stadtsparkasse München.

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Weitere Informationen zu Bedrich Fritta und Tommy sowie zu dem Buch und Thersienstadt.

Figur Bedrich Fritta Figurentheater Pantaleon

Bedrich Fritta
geboren am 19.09.1906 in Weigsdorf/ Visnova, Nordböhmen unter dem Namen Fritz Taussig,
gestorben am 04.11.1944 in Auschwitz.
Künstlerische Ausbildung um 1930 in Paris, danach Arbeit beim Simplicus in Prag als Karikaturist, Der Simplicus erscheint von 1934-39 als wichtigste antifaschistische Publikation, Frittas Arbeiten befinden sich unter den Bedeutendsten der tschechischen Avantgardisten.
Internierung in Theresienstadt am 24.11.1941, wenig später folgen seine Frau Johanna (Hansi) und sein Sohn Tommy. Er lebt mit ihnen zusammen in einem Raum im zweiten Stock der Magdeburger Kaserne.
Fritta arbeitet mit anderen Künstlern, so auch mit Leo Haas in der Zeichenstube, Aufgaben sind das Entwerfen von Skizzen für technische Anlagen, aber auch das Anfertigen von Portraits von SS-Männern nach Fotografien sowie das Erstellen einer geschönten Fassade des Lagers.
Fritta und die anderen Künstler nutzen allerdings das Zeichenmaterial, um im Geheimen Bilder anzufertigen, die den wahren, grausamen und düsteren Alltag der Insassen dokumentieren. Besonders Fritta zeichnet sehr drastische Motive. Diese Bilder werden versteckt oder nach draußen geschmuggelt.
Nach einem Besuch des Internationalen Roten Kreuzes erfahren die Nazis von den Zeichnungen, die Künstler werden in den Kellerräume der Gestapo an Hand von drei Zeichnungen verhört, (auch von Eichmann persönlich), gefoltert und schließlich nach Auschwitz deportiert. Dort stirbt Fritta acht Tage nach der Einlieferung.

Figur Tommy Figurentheater Pantaleon

Tommy
geboren am 22.01.41, gestorben am 06.03.2015
Tommy gilt im Lager, in das er mit knapp einem Jahr kommt, als freundliches und intelligentes Kind, das alle gern haben und das, am vergitterten Fenster sitzend und mit den Beinchen baumelnd, der Sonne entgegen lächelt, weil sie ihn so schön bestrahlt.
Tommy wird mit seiner Mutter nach der Verhaftung des Vaters von diesem getrennt, er gilt, mit drei Jahren, als politischer Gefangener.
Am 13.02.45 stirbt seine Mutter in der kleinen Festung, dem Gestapo-Gefängnis. Danach kümmert sich Erna Haas, die Frau des Freundes Leo Haas um Tommy. Aus dieser Zeit, in der er in einer dunklen überfüllten Zelle in ständiger Angst vor der SS lebt, resultiert Tommys späterer Schrecken vor Dunkelheit, Schlüsselklappern und Hunden.
Tommy wird nach der Befreiung von Leo Haas und seiner Frau adoptiert. Sein weiteres Leben ist geprägt von der Zeit in Theresienstadt und der Kleinen Festung. Schelte gegenüber reagiert er empfindlich, sie erinnert ihn an die Kommandosprache im KZ. Auch in der Schule und mit Mitschülern hat Tommy diverse Schwierigkeiten, “man wusste… nicht, bin ich ungeschickt oder mache ich mich über alles lustig.”
Bis 1968 lebt Tommy in Prag, macht eine Ausbildung als Bergmann, arbeitet dann jedoch zunächst in der Rüstungsindustrie, dann nachts bei einer Tankstelle.
Im September 1968 emigriert er nach Israel, geht 1973 nach einem kurzen Aufenthalt nach Deutschland, wo er bis zu seinem Tod in Mannheim lebt und sich mit dem Buchwesen befasst.
Eine Bibliothekarin, deren Mentor er in seinen späten Lebensjahren war, schildert ihn als warmherzigen und sehr humorvollen Menschen. Trotzdem war für ihn eine nationale Identität, ein Heimatgefühl schwierig. So sagt er von sich: Wissen Sie, ich fühle mich eigentlich überall ein wenig schlecht…so ist es eben ein wenig mit mir.”

Tommy

Das Buch
Das Buch, das Bedrich Fritta seinem Sohn zu seinem dritten Geburtstag malt, schildert in bunten und fröhlichen Farben den kleinen Tommy, lustig, traurig, verspielt, trotzig, ein Kind in all seinen Facetten, er malt ihm die Welt “draußen”, mit Blumenwiesen und überquellenden Obstständen,
er zeigt ihm fremde Länder, zu denen er einmal reisen kann, schildert ihm Berufe, die er einmal ergreifen kann. Er zeigt ihm ein Leben jenseits der Mauern, er zeigt ihm “das Leben”, so wie er es sich für seinen Sohn wünscht und erhofft. Denn das ist dieses Buch, das auf fast schon wunderbare Weise in einem Versteck überlebt hat: Ein Zeugnis der Hoffnung, der Hoffnung darauf, dass die Humanität am Ende den Sieg davon tragen wird. Es ist ein “Mutmachbuch” und es ist für Tommy Fritta-Haas, der es zu seinem 18. Geburtstag bekommt “ ein Buch des Lebens, das als erstes, und es ist ein optimistisches Buch, trotz der Umstände unter denen es entstand…Wenn ich dieses Buch durchblättere, bekomme ich Gänsehaut. Und wenn es zum tausendsten Mal ist…”
1999 erscheint es in Israel, wird dort begeistert aufgenommen, als hätten viele nur auf dieses Buch gewartet. Tommy Fritta-Haas dazu: “Am erstaunlichsten ist, dass das Buch schon ein wenig sein eigenes Schicksal hat, seinen eigenen Weg geht. Von Zeit zu Zeit sehe ich es und sage mir: Für dieses Buch muss ich etwas tun”.

Deswegen dieses Stück.

Information und Zitate aus dem Kommentar zu “Für Tommy zum dritten Geburtstag in Theresienstadt”, Verlag Friedrich Pustet, Regensburg, 2015

Theresienstadt
liegt etwa 60 Kilometer von Prag entfernt, am Zusammenfluss von Eger und Elbe.
!780 legt Kaiser Joseph II. den Grundstein zum Bau einer Festung, sie wird in zehn Jahren errichtet und nach der Mutter des Kaisers Theresia benannt.
Theresienstadt dient als Garnison, die “Kleine Festung” am gegenüber liegenden Ufer der Eger als Gefängnis zunächst für politische, später dann während des ersten Weltkrieges für Kriegsgefangene.
Das Ghetto Theresienstadt wird im November 1941 gegründet, die ersten Aufbaukommandos treffen am 24.11.41 ein. (mit ihnen auch Bedrich Fritta).
Die Bewohner der bisherigen Gemeinde müssen Theresienstadt bis Juni 1942 verlassen. Das Ghetto besteht von 1941 bis 1945, bis dahin sind etwa 150.000 Häftlinge durch Theresienstadt gegangen.
Das Ghetto spielt in der nationalsozialistischen Propaganda eine besondere Rolle. Zum einen soll durch eine angebliche “Selbstverwaltung “ der Anschein von Mitbestimmung durch die Insassen erweckt werden, zum anderen versuchen die Nazis, dem Lager einen humanen Anstrich zu geben, in dem sie z.B. vor einem Besuch des Roten Kreuzes das Lager verschönern lassen, wobei alle dafür durchgeführten Maßnahmen schon am nächsten Tag rückgängig gemacht werden.
Auch wird ein Propagandafilm gedreht, mit dem Titel “Theresienstadt. Ein Dokumentarfilm aus dem jüdischen Siedlungsgebiet” bekannt geworden unter dem Titel “Der Führer schenkt den Juden eine Stadt” und der dem selben, die Tatsachen entstellenden Zweck dient.
In Wahrheit und im Bewusstsein der Insassen ist Theresienstadt ein Stall, der zum Schlachthof führt, nämlich durch Deportation nach Auschwitz und zur dortigen Vernichtung. An Nahrung fehlt es immer. Die tägliche Verpflegung ist knapp, viele magern ab und werden krank. Vom 14. Lebensjahr an muss man arbeiten. Das Lagerkrematorium für die Verstorbenen müssen die Bewohner selbst errichten.
Ein Mittel gegen diese ständige Angst ist das Entwickeln einer Art von Normalität, es gibt Vorträge von Künstlern und Wissenschaftlern, Konzerte, es entsteht die Kinderoper “Brundibar” in der der böse Leierkastenmann Brundibar von den Kindern besiegt wird.
Ab 1942 werden für die Kinder Heime organisiert, in ihnen gibt es Kulturveranstaltungen und, im Geheimen, vor allem Zeichenunterricht. Nicht zuletzt deshalb existieren etwa 4000 Kinderzeichnungen aus Theresienstadt. Beim Besuch des Roten Kreuzes müssen die Kinder den Lagerleiter Karl Rahm mit “Onkel Rahm” ansprechen und “O Tannenbaum” singen.
15.000 Kinder sind in Theresienstadt interniert, etwa 100 haben überlebt.

Leo Strauss www.salonisti.ch

ALS OB

Ich kenn ein kleines Städtchen,
ein Städtchen ganz tiptop,
ich nenn es nicht bei Namen,
ich nenn’s die Stadt Als-ob.

Nicht alle Leute dürfen
in diese Stadt hinein,
es müssen Auserwählte
der Als-ob-Rasse sein.

Die leben dort ihr Leben,
als ob’s ein Leben wär,
und freun sich mit Gerüchten,
als ob’s die Wahrheit wär.

Die Menschen auf den Strassen,
die laufen im Galopp.
Wenn man auch nichts zu tun hat,
tut man doch so als ob.

Es gibt auch ein Kaffehaus
gleich dem Café de l’Europe,
und bei Musikbegleitung
fühlt man sich als ob.

Und mancher ist mit manchem
auch manchmal ziemlich grob-
daheim war er kein Grosser,
hier macht er so als ob.

Des Morgens und des Abends
trinkt man Als-ob-Kaffee,
am Samstag, ja, am Samstag,
da gibt’s als Als-ob-Haschee.

Man stellt sich an um Suppe,
als ob da etwas drin,
und man geniesst die Dorsche
als ob Vitamin.

Man legt sich auf den Boden,
also ob das wär ein Bett,
und denkt an seine Lieben,
als ob man Nachricht hätt.

Man trägt das schwere Schicksal,
als ob es nicht so schwer,
und spricht von schöner Zukunft,
als ob’s schon morgen wär.

Das Gedicht « als ob » von Leo Straus

Das Gedicht wurde von dem bekanntem Kabarettisten Dr. Leo Straus (geboren 1897) geschrieben. Leo Straus wurde 1942 mit seiner Frau nach Theresienstadt deportiert und blieb dort, bis er am 10.12.1944 nach Auschwitz deportiert wurde und in der Gaskammer den Tod fand.
Arrangement von Jiři O. Růžička

Quelle: www.salonisti.ch